Alina Schoenfuss

3. Warum ein guter Fotograf sein Geld wert ist

Warum ein guter Fotograf sein Geld wert ist

Manche fragen sich: „Warum kostet ein Fotograf so viel, man drückt doch nur auf den Auslöser?“
Auf den ersten Blick mag es so wirken. Was man dabei nicht sieht: Fotografie ist ein Zusammenspiel aus Technik, Wissen, Erfahrung, Planung, Kreativität und oft auch Psychologie. Und genau das macht den Unterschied. Fotografie ist viel mehr als nur ein Klick.

1. Technik & Physik: Unsichtbare Gesetze beherrschen
Flimmern & Verschlusszeit

Nehmen wir ein Beispiel, das meist nicht auffällt: Lampen flimmern. In Europa mit 50 Hz, in den USA mit 60 Hz. Das menschliche Auge nimmt das kaum wahr, aber die Kamera schon.

  • Wenn die Verschlusszeit der Kamera nicht zum Takt des Stroms passt, entstehen unschöne Streifen im Bild.

  • Ein erfahrener Fotograf weiß, dass die Verschlusszeit exakt ein Vielfaches der Stromfrequenz sein muss. Bei 50 Hz sind sichere Zeiten 1/50, 1/100 oder 1/200 , während 1/125 oder 1/320 unschöne Streifen macht.

Das sieht man mit bloßem Auge nicht aber im Nachhinein auf einem Foto und es entscheidet darüber, ob ein Foto „sauber“ wirkt oder unbrauchbar ist.

Licht verstehen

Licht ist nicht einfach hell oder dunkel. Jede Lichtquelle hat eine Farbtemperatur: Kerzenlicht ist warm (ca. 2700 K), Tageslicht kühl (5500–6500 K), LED-Lampen je nach Qualität sehr unterschiedlich. Ein Fotograf weiß:

  • wie weiches und hartes Licht wirken und welche Schatten es wirft.

  • wie man Weißabgleich setzt oder im Nachhinein bearbeitet, damit Hauttöne natürlich aussehen.

  • wie man Mischlicht kontrolliert (z. B. Neonröhre + Tageslicht).

  • wann man eigenes Licht setzen muss, um die gewünschte Stimmung zu erzeugen.

Schärfentiefe & Blende

„Hintergrund verschwommen, schön!“ Fotografen wissen:

  • Große Blende (z. B. f/1.8) erzeugt tolle Unschärfe im Hintergrund, aber erfordert exaktes Fokussieren.

  • Kleine Blende (z. B. f/16) bringt mehr Schärfe ins Bild, aber verringert die Bildqualität durch Beugungsunschärfe.

  • Wenn die Blende verstellt wird, ändert sich automatisch auch die Helligkeit im Bild.
Dynamikumfang & Belichtung

Die Kamera sieht nicht wie das menschliche Auge. Ein Fotograf muss entscheiden:

  • Soll der Himmel korrekt belichtet sein, auch wenn das Gesicht dadurch dunkel wird?

  • Oder belichte ich die Person richtig und hole den Himmel später in der Nachbearbeitung zurück? Diese Balance zwischen ISO, Blende, Verschlusszeit und RAW-Nachbearbeitung ist Handwerk und Erfahrung.

2. Planung & Vorbereitung: Unsichtbare Vorarbeit

Ein Shooting beginnt nicht mit dem fotografieren.

  • Scouting: Man schaut sich die Location vorher an, kennt die besten Lichtverhältnisse, weiß, wann die Sonne wo steht und wann die Sonne untergeht.

  • Equipment-Check: Akkus geladen, Speicherkarten leer, Alles im Gepäck, damit nichts schiefgeht.

  • Szenarien durchdenken: Was, wenn es regnet? Was, wenn das Kind nicht mitmacht? Was, wenn die Technik ausfällt?

Das sieht man nicht auf den Bildern aber es sorgt dafür, dass sie entstehen können.

3. Während des Shootings: Mehr als Knopfdrücken

Ein guter Fotograf …

  • führt Menschen an: Man sorgt dafür, dass ihr euch wohlfühlt

  • liest Momente: Ein Fotograf merkt, wann Emotionen entstehen  z. B. ein spontanes Lachen und ist in Bruchteilen von Sekunden bereit.

  • arbeitet mit Details: Kleidung sitzt nicht? Schmuck verrutscht? Kleine Dinge, die sonst erst auf dem Foto auffallen würden, korrigiert er direkt.

  • denkt in Kompositionen: Drittelregel, führende Linien, Hintergrundgestaltung. Unbewusst folgen Betrachter später diesen visuellen „Regeln“ und empfinden das Bild als angenehm. Man muss instinktiv ein Auge für harmonische Bildausschnitte haben.

4. Nachbearbeitung: Unsichtbare Stundenarbeit

Nach dem Shooting ist es nicht vorbei, oft fängt da die eigentliche Arbeit erst an:

  • Bildauswahl: Hunderte oder tausende Fotos werden gesichtet, die besten herausgefiltert.

  • RAW-Entwicklung: Farbkorrekturen, Kontraste, Schärfen, Rauschreduzierung.

  • Retusche: Haut glätten, aber natürlich. Störende Elemente im Hintergrund entfernen. Kleine Anpassungen, die das Bild perfekt wirken lassen, ohne künstlich zu erscheinen.

  • Export: Fotos für Web, Druck oder Social Media müssen unterschiedlich vorbereitet werden mit jeweils passenden Farbräumen und Auflösungen.

Man sieht am Ende „nur“ das fertige Foto. Aber oft steckt pro Bild mehr Zeit in der Nachbearbeitung als im eigentlichen Shooting. Die Bearbeitung holt das Beste aus den Bildern raus, deshalb werden RAWs auch nicht rausgegeben.

Das Ergebnis: Erinnerungen, die bleiben

Ein Handyfoto kann einen Moment dokumentieren.
Ein gutes Foto erzählt eine Geschichte, fängt Gefühle ein und wird zur Erinnerung, die Jahrzehnte überdauert.

Man vergisst vielleicht, wie viel Planung, Technik, Wissen und Arbeit dahinter steckt. Aber man spürt sofort den Unterschied, wenn man die Bilder nebeneinanderlegt.

Ein guter Fotograf ist nicht „teuer“. Er ist wertvoll.
Man bezahlt nicht für ein paar Stunden Shooting oder ein paar Klicks.
Man bezahlt für:

  • Jahre an Erfahrung,

  • teures Equipment und den Umgang damit,

  • unsichtbare Technik & Physik,

  • Planung & Nachbearbeitung,

  • und vor allem für Bilder, die für immer bleiben.

Wer bei Fotos spart, spart an Erinnerungen. Und die sind unbezahlbar.

Denn die schönsten Momente im Leben verdienen es, genauso wertvoll festgehalten zu werden, wie ihr es seid <3

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